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08.07.2011 Mozart  Hochzeit des Figaro

festspiele Mecklenburg-VorpommernFreitag, 08.07.2011, 20:00,           [zurück zu Presse]
Segrahn, Viehhaus

KulturSommer am Kanal 2011

Künstler:
Opernstudenten aus Leipzig, Berlin und Hamburg


Programm:
Mozart: Die Hochzeit des Figaro

Mozart Oper “Die Hochzeit des Figaro” auf Gut Segrahn
Sternstunde im KulturSommer

(gh) Segrahn - Zwei Premieren und eine Deutsche Erstaufführung an einem zauberhaften Sommerabend im Lauenburgischen - gibt es im KulturSommer noch größere Steigerungen? 

Beifall für das EnsembleAber langsam und von vorn: Die erste Premiere feierte mit Mozarts “Die Hochzeit des Figaro” das Aoide Ensemble (Berlin/ Hamburg/ Leipzig). Musikalische Leitung: Felix Pätzold. Die einfühlsame Regie führte Marcos Darbyshire und die großartige Pianistin Ayako Tanaka begleitete die acht Musikstudenten als Orchesterersatz.

Eine weitere Premiere feierte die Familie von Bülow auf Gut Segrahn mit der Veranstaltungsscheune “Viehhaus”. Diese, mit LSE-Mitteln großartig sanierte und durch ihre puristische Klarheit außerordentlich wirkungsvolle knapp 200 Jahre alte Backstein-Scheune, ist ein Schatz und ein Gewinn für die Kulturarbeit in der Region.

“Es ist die Erstaufführung in Deutschland,” betonte Frank Düwel mit einem Augenzwinkern, denn diese dynamische Inszenierung, entstand bei einem Griechenlandurlaub der munteren Truppe “Aoide Ensemble”. (Aoide ist eine der drei ursprünglichen Musen in der griechischen Mythologie). Weitere Aufführungen sollten aber unbedingt folgen, waren sich die Besucher einig. Der Künstlerische Leiter des KulturSommers, Frank Düwel, freute sich über 150 Operngäste, darunter Stiftungspräsident Klaus Schlie mit Gattin, Kreispräsident Meinhard Füllner mit Gattin und zahlreiche Kollegen aus der Musik- und Theater­hochschulSzene Hamburg.

Es gab kein pompöses Bühnenbild, kein großes Orchester, keine schillernden Opernkostüme oder große Stars- nein, es gab besseres: Junge Opernsänger mit frischen, unverbrauchten und großartigen Stimmen. Mit einer Dynamik und grandiose Ensembleleistung tobten sie durch den Saal, stürmten auf die Bühne oder waren ganz zart, ganz sphärisch-innig in den bekannten Liebes-Arien.
“Porgi amor / Hör mein Flehn, o Gott der Liebe”, singt die Contessa. Eine Arie wie für die lyrische Sopranistin Christina Bischoff gemacht. Es klang so hinreißend traurig, dass die Stille im großen Saal greifbar schien.

Dominic GroßeDoch es ging auch anders: Szenenapplaus bekam der Conte Dominic Große. Seine Bass-Stimme füllte den Raum, der 22-Jährige wirkte souverän und sicher auch nach seiner glühenden Eifersuchtsszene (es ging dabei ein Stuhl entzwei). Sein Zorn richtete sich auf Figaro, wunderbar von Bariton Ezra Jung gesungen.

Paula Jung als SusanneFigaro und Susanna, das Dreamteam in den Mozart-Werken schlechthin und bei dieser gekürzten Kammerspiel-Oper in Segrahn von Ezra Jung und Paula Rummel lebendig und glaubwürdig verkörpert. Die bildhübsche Sopranistin war Verführung pur.

Aber gerade das ist es ja, was Mozart in seiner wohl vollkommensten Komödie der Operngeschichte schieb: Er wollte mit den Mitteln der Musik zwischenmenschliche Beziehungen, Gefühle und Leidenschaft darstellen, Stärken und Schwächen der Menschen herausarbeiten und sie dem Publikum in seiner Musik vermitteln. Das Musikgenie, das nun schon seit mehr als 250 Jahren seine Zuhörer mit wunderschöner Musik verzaubert, macht ihn für seine Fans unsterblich.

In den weiteren Rollen waren Cherubino, der süße Page, verspielt und frech von Britta Glreißaser verkörpert, Basilio, hinreißend komisch und überdreht, Tom Wenzel. Die Marcellina, sang Sopranistin Astryd Cottet und den Bartolo verkörperte Bass Sascha Glintenkamp.

In Anlehnung an die Theaterkunst der “Commedia dell’arte” war die Bühne ganz pur und frei im Raum stehend gebaut. Doch sie verwandelte sich mit vier Stühlen (am Ende waren es nur noch drei) in Salons, Schlafzimmer, Gärten und was es sonst noch alles gab, blitzschnell in der Fantasiewelt der Zuschauer.
Frank Düwel sagte zu Beginn: “Es wird italienisch gesungen, aber Sie verstehen jedes Wort.“ Recht hatte er und auch das pure (Nicht)-Bühnenbild geriet mit feinen Lichteffekten zum Hingucker.

Es war ein wunderbares, humorvolles, stimmgewaltiges und leidenschaftliches Opernerlebnis.
Das Publikum sparte schon während der Aufführung nicht mit Szenenapplaus und stand am Ende geschlossen auf, um diesem feinen Ensemble mit herzlichem Beifall zu danken. Oper auf dem Lande! Eine Premiere im Kultursommer am Kanal, die es in sich hatte.

Ein Tusch für Frank Düwel, der diese Ideen verwirklichte und ein Dankeschön an die Sponsoren des Abends, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft und die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg ohne die “Oper auf dem Lande” nicht möglich wäre.

(Fotos: Gerkens-Harmann)

 

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